Vortrag Pfarrer Dr. Petro Müller

Summe: Zerstrittene Kirchen sind unzumutbar

Die Kreisauer arbeiteten an einer Neuordnung Deutschlands und Europas. Ihr Wertefundament ist dabei das Christentum. In Kreisau erprobt und durchdacht, im Gefängnis durchlitten und in einer geistlichen Weise vereint, ist die Ökumene für sie ebenfalls eine Neuorientierung für die Zukunft. Dabei hielten sie nichts von einem Ein- heitsbrei. Eher kann man das Ringen um gemeinsame Positionen in einer „versöhnten Verschiedenheit“ erkennen. Das bedeutet: Auch die theologische Ökumene ist unverzichtbar.

Als Delp von Gerstenmaier zu Weihnachten 1944 ein Geschenk bekommt, bedankt er sich höflich: „L.G., herzlich Vergelt’s Gott (…) Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und wenn wir wieder draußen sind, wollen wir zeigen, dass mehr damit gemeint war und ist als eine persönliche Beziehung. Die geschichtliche Last der getrennten Kirchen werden wir als Last und Erbe weitertragen müssen. Aber es soll daraus niemals wieder eine Schande Christi werden. An die Eintopfutopien glaube ich so wenig wie Du, aber der Eine Christus ist doch ungeteilt und wo die ungeteilte Liebe zu ihm führt, da wird uns vieles besser gelingen als es unseren streitendenVorfahren und Zeitgenossen gelang. – Ich habe auch außer der Messe das Sakrament immer in der Zelle und rede mit dem Herrn oft über Dich. Er weiht uns hier zu einer neuen Sendung. Alles Gute und seinen gnädigen Schutz. Dein Delp“ (Delp 4, 76f).

Delps Überzeugung, dass die Zukunft für die Menschen in einer wie auch immer gearteten Einheit in Christus liegen muss, wird auch in seinem Text „Das Schicksal der Kirchen“ innerhalb seiner „Reflexionen über die Zukunft“ klar entfaltet. Dort schreibt er:

„Von zwei Sachverhalten wird es abhängen, ob die Kirche noch einmal einen Weg zu diesem Menschen finden wird. Das eine gleich vorweg: Dies ist so selbstverständlich, dass ich es gar nicht weiter eigens aufzähle. Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben. Wir sollen uns damit abfinden, die Spaltung als geschichtliches Schicksal zu tragen und zugleich als Kreuz. Von den heute Lebenden würde sie keiner noch einmal vollziehen. Und zugleich soll sie unsere dauernde Schmach und Schande sein, da wir nicht imstande waren, das Erbe Christi, seine Liebe, unzerrissen zu hüten“ (Delp 4, 319).

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