Pfarrkirche als Gedenkstätte

Als Kardinal Julius Döpfner am 12. November 1960 den Grundstein für die Kirche legte sprach er von einem zweifachen Anfang. So stehe der Bau an seinem Anfang, aber auch die Pfarrei:

“Im Anfang steht auch die Pfarrei »Regina Martyrum«. Der Seelsorger sammelt die Seinen in Räumen, die nur provisorisch sind. Möge die Gemeinde innerlich wachsen, zusammen mit dem äußeren Bau, damit sie den Tag der Kirchweihe als lebendige, beseelte Gemeinschaft begehe.”

Das Leben einer Pfarrgemeinde mit den Gottesdiensten und Veranstaltungen schien geradezu eine Vorausetzung dafür zu sein, dass die Gedenkstätte kein monumentaler Bau ohne Seele wird.

“Die Synthese von Gedächtnisstätte und einer Pfarrei mit ihren seelsorglichen Aufgaben war für die Architekten von Anfang an ein Anliegen. In dieser Verbindung war die Gewähr gegeben, dass die Gedenkstätte durch das sakramentale Leben einer Gemeinde zu einer dauernden Gebetsstätte wurde. Es ist ein großes Verdienst der gestaltenden Architekten, die Gegensätzlichkeit von Monument und Pfarrzelle mit ihrer Lösung Überwunden zu haben. Sie haben auf der einen Seite die pfarrgebundenen Bedürfnisse zu überörtlicher Gültigkeit und Bedeutung gesteigert, auf der anderen Seite die Gedenkstätte in den seelsorglichen Dienst einer Großstadtgemeinde eingeordnet. So kann die Unterkirche zugleich als Werktagskirche dienen, und die Oberkirche entspricht bei aller Bildhaftigkeit mit ihrer kultischen und sakramentalen Ordnung auch ganz einer Pfarrkirche.

Ausschließlich dem Leben der Gemeinde dient das Pfarrzentrum, das zwar ein Teil der Gesamtanlage ist, aber ganz für sich abgeschlossen wurde. An der Straße erhebt sich zunächst der Gemeindesaal. Seine Außenwände sind aus einem lamellenartigen Betonraster geformt und bilden so einen deutlichen Gegensatz zur geschlossenen Außenfront der Kirche. Unterhalb des großen Saales liegen die Hausmeisterwohnung, Konferenzzimmer, Pfarrbibliothek und Jugendräume. Von hier führt entlang der Innenwand ein durchgehender Weg, der pergolaartig von Betonrippen überspannt ist, bis zum Ende des, schmalen, tiefen Rechtecks des Gemeindebezirks. An ihm liegen die übrigen Räume, die um vier Binnenhöfe gruppiert sind, Es bildet sich ein Hof der Gemeinde und des Pfarramtes, ein Hof der Pfarrers- und Kaplanswohnung, ein Kinderspielplatz für den Jugendhort und Kindergarten und ein kleiner, rückwärts gelegener Wirtschaftshof.” (Urban Rapp)

Noch vor der Fertigstellung der Kirche konnte die Gemeinde ihre Räume beziehen:

“Die junge Gemeinde “Maria Rgina Martyrum” hielt am 1. Dezember 1962 Einzug in ihre neuen Räume und feierte am 16. Dezember 1962 im Gemeindesaal den ersten Gottesdienst. Am gleichen Tag fand die Weihe der 5 Bronzeglocken statt, die am heiligen Abend erstmals über dem Stadtteil Charlottenburg Nord erklangen.” (Hermann Jünemann, Architekt in der Bauabteilung des Bischöflichen Ordinariats Berlin)

Zitate: Gedächtniskirche der deutschen Katholiken “Maria Regina Martyrum” zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933-1945, Morus-Verlag, Berlin 1963 

 

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