Pfarrer Albert Willimsky vor 75 Jahren gestorben

„Ich werde auch in Zukunft meine Ansicht nicht ändern“

 Zum 75. Todestag von Pfarrer Albert Willimsky

Er war der erste Priester des damals noch jungen Bistums Berlin, der Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde. Pfarrer Albert Willimsky starb am 2. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen im Alter von 49 Jahren. Geboren wurde er am 28. Dezember 1890 in Oberglogau (Oberschlesien). Nach der Priesterweihe am 22. Juni 1919 in Breslau wurde er zunächst Kaplan in Beuthen.

Pfarrer Albert Willimsky † 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen

Pfarrer Albert Willimsky † 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen

1922 wurde er in die “Delegatur Berlin” versetzt, die zwar nicht zum Erzbistum Breslau gehörte, aber ihrer Jurisdiktion unterstand. In der Pfarrei St. Marien/Liebfrauen in der Wrangelstraße, Kreuzberg SO 36, sammelte er erste Großstadterfahrungen. Von hier wechselte er schon zwei Jahre später in die vorpommersche Diaspora. Er war der erste Seelsorger in Barth an der Ostsee. Hier galt seine besondere Aufmerksamkeit den vielen polnischen Wanderarbeitern, die einen großen Teil seiner Gemeinde ausmachten. Auch in Barth blieb Willimsky nur zwei Jahre. Noch bevor die von ihm erbaute Kirche “St. Maria, Trösterin der Betrübten” konsekriert werden konnte, wurde er im Dezember 1926 in das märkische Friesack versetzt.

Auch in dieser armen Diasporagemeinde waren von ihm neben der Seelsorge Arbeiten zum äußern Aufbau gefordert. In der Verkündigung und Bildungsarbeit ging er besonders auf die geistige Situation der Zeit ein. Hier begann Willimskys öffentliche Auseinandersetzung mit dem aufkommenden Nationalsozialismus. Es waren vor allen Dingen seine Stellungnahmen gegen die neuheidnische Weltanschauung, die durch den NS-Chefideologen Alfred Rosenberg in dem Buch “Mythus des XX. Jahrhunderts” verbreitet wurde, mit denen Willimsky die Aufmerksamkeit der neuen Machthaber und der Gestapo auf sich zog. Im März 1935 wurde gegen ihn ein Aufenthaltsverbot für den gesamten Kreis ausgesprochen und er musste binnen 24 Stunden Friesack verlassen. Am Sonntag, dem 31. März 1935 feierte Pfarrer Willimsky seine letzte Heilige Messe mit der Gemeinde in Friesack.

An seiner neuen Wirkungsstätte, der Mariengemeinde in Gransee, änderten sich die Verhältnisse nicht, sie spitzen sich eher zu. Es folgte eine Reihe von Denunziationen, Ermittlungen und Verhören wegen unterschiedlicher „Vergehen“. Am 1. Oktober 1938 wurde er wegen „des dringenden Verdachts eines Vergehens gegen das Heimtückegesetz“ von der Gestapo im Granseer Pfarrhaus verhaftet. Er war von einer 24jährigen Potsdamerin beschuldigt worden, sich in der Bahn öffentlich abfällig gegen Hitler und Goebbels geäußert zu haben. Siebe Monate lang verbrachte er ohne Prozess im Potsdamer Gerichtsgefängnis in Einzelhaft. Noch bevor der Prozess begann wurde er am 1. Mai 1939 entlassen aber sofort wieder von der Gestapo festgenommen. Nach Beschwerde kam er nach zwei Wochen wieder frei. In einem Prozess wurde er später zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft schön verbüßt waren. In der Urteilsbegründung heiß es: „In seiner einseitigen katholischen Einstellung befangen, vermag er nicht mehr den gesunden und vernünftigen Blick für die Maßnahmen der Reichsregierung aufzubringen.“

Willimsky wurde von Bischof Preysing in den Norden des Bistums versetzt, in der Hoffnung, ihn aus der „Schusslinie“ zu bringen. Im Juli 1939 wurde er Seelsorger in Stettin-Podejuch. Nur wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 geriet er doch wieder in die Schusslinie. Er wurde anzeigt, weil er sich in einem Gespräch in einem Warenhaus in Stettin zu „Lügend er NS-Medien“ im Zusammenhang mit angeblichen Grausamkeiten der polnischen Armee geäußert hatte. Am 31. Oktober 1939 wurde er deswegen von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen. In den Verhören bekräftige Willimsky seine Aussagen. Das Vernehmungsprotokoll schließt er mit folgender Feststellung: „Aus allen diesen Gründen werde ich auch in Zukunft meine Ansicht nicht ändern und sie auch immer zu Gehör bringen wo ich es aus seelsorglichen Gründen für notwendig halte. Pfarrer Albert Willimsky“

Mehrere Monate verbrachte er im Stettiner Polizeigefängnis in Einzelhaft. In einem Brief an seine Haushälterin schrieb er am 25. Januar 1940: „Mit einer Freilassung rechne ich also nicht. … Das Gottvertrauen habe ich jedenfalls noch keinen Augenblick verloren.“ Er verabschiedete sich mit Grüßen an die Gemeinde. Der Brief wurde nie zugestellt. „Zur Weiterleitung ungeeignet“, vermerkte die Gefängnis-Zensur. Pfarrer Albert Willimsky wurde am 1. Februar 1940 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Hier hatte er nur noch drei Wochen zu leiden.

Lutz Nehk

• An Pfarrer Albert Willimsky erinnert ein ausführlicher Beitrag von Ursula Pruß im „Deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Zeugen des Glaubens, Hg. Hellmut Moll im Auftrag der DBK, Paderborn: Schöningh 2001, Bd. 1, Seite 117-121).
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• In der Krypta der St. Hedwigs-Kathedrale ist sein Name auf der Gedenktafel für Blutzeugen des Bistums Berlin verzeichnet.
• Am Pfarrhaus in Gransee erinnert eine Gedenktafel an ihn.
• 2008 wurde in Stettin-Podejuch ein Park nach Albert Willimsky benannt.
Auf der Internetseite der Gemeinde Paulinenaue in Havelland ist ein Beitrag über Pfarrer Willimsky zu lesen: „Wer war Albert Willimsky? Von Widerstand und Anpassung im Nationalsozialismus in Paulinenaue und Friesack“ (paulinenaue.de > Doku).
Der Verein „deo iuvante“ in Friesack bietet umfangreiche Informationen auf seiner Internetseite (deo-iuvante-havelland.de >Rückblicke >historische Personen).
• Am 31. März 2015 wird in Friesack ein Weg an der Rosenkranzkapelle nach Pfarrer Albert Willimsky benannt.

 

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